Auch wenn diese Homepage primär für Infos rund ums Rote Café dienen soll, halten wir es aus leider aktuellem Anlass für wichtig, erneut auf einen Fall Rechter Gewalt hinzuweisen:
Es scheint, als falle die Saat der von den Salon-Rassisten Sarrazin, Seehofer & Co. geschürten Kampagne gegen Migrant_innen aus „kulturfremden Kreisen“ schneller als befürchtet auf furchtbaren Boden: In der Nacht zum Sonntag, dem 24. Oktober wurde in der Leipziger Innenstadt der aus dem Irak stammende 19jährige Kamal K. von zwei Männern durch Messerstiche schwer verletzt und erlag kurz darauf seinen Verletzungen. indy, Leipziger Volkszeitung, npd-blog.info
Die beiden mutmaßlichen Täter stehen laut Bericht der Aachener Nachrichten der rechtsextremen Szene nahe, einer der beiden Tatverdächtigen, der 28jährige Daniel K. ist nach Erkenntnissen von Blick nach Rechts seit Jahren in der rechten Szene aktiv (u.a. bei der Kameradschaft Aachener Land). Bei seiner Festnahme trug einer der beiden Tatverdächtigen einen Pullover mit der Aufschrift „Kick off Antifascism!“ (Photo, leider von Bild.de), womit sich Unklarheiten zur rechtsextremen Einstellung der Tatverdächtigen erübrigen sollten.
Widerlich auch, wie der um Verharmlosung bemühte MDR-Reporter, unfähig jeglicher Pietät, direkt am Tatort von dem Mord als Ergebnis eines Streits alkoholisierter Personen, die „einen zuviel in der Krone sitzen hatten“ schwafelt: mdr.de
Ob die offenkundig rassistische Gesinnung der Tatverdächtigen ausschlaggebend für den Mord war, wird zu beweisen sein, wenngleich die vorliegenden Fakten eine deutliche Sprache sprechen. Leider lassen bekanntermaßen Polizei und Staatsanwaltschaft um des lieben Friedens willen rechtsextreme Tatmotive auch mal gerne unter den Tisch fallen. Sollten sich die Hinweise auf ein rassistisches Tatmotiv erhärten, wäre Kamal K. das sechste Todesopfer Rechter Gewalt in Leipzig seit 1990.
Das Problem sind jedoch nicht nur Nazi-Morde an Migrant_innen, Obdachlosen und politischen Gegner_innen, sondern auch das alltägliche gesellschaftliche Klima von Ausgrenzung und Stigmatisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen, welches Nazis zu ihren Taten ermuntert. Hinzu kommt das bewusste Schüren von Ressentiments gegen sozial benachteiligte und von Armut betroffene Menschen, denen ihre mißliche Situation auch noch zum Vorwurf gemacht wird (Stichwort ’spätrömische Dekadenz‘, ‚Minderleister‘, Migrant_innen, die vermeintlich ‚keine produktive Funktion‘ erfüllen), das Befeuern von plumpen Überfremdungsängsten und latent vorhandenen Rassismen durch Gestalten wie Sarrazin und seine willfährigen Claqueure in den allzeit verlässlichen Multiplikationsorganen Springer, Spiegel & Co., was bei einem von Abstiegsängsten geplagten Bürgertum offensichtlich auf allzu fruchtbaren Boden fällt und Sarrazin einen Verkaufsrekord seines reißerischen Machwerks beschert.
Gilt es doch aus Elitensicht, gesellschaftsübergreifende Solidarität und das Erkennen gemeinsamer Interessen von Lohnabhängigen wie Marginalisierten, gleich welcher Herkunft, gegenüber den Krisenverwaltern des Kapitalismus um jeden Preis zu verhindern.
Wie sangen Anarchist Academy anno ’94: „Das Kapital ist die Flamme, der Faschismus das Benzin!“
Stellungnahme des Initiativkreises Antirassismus Leipzig
Rainer Trampert in der jungle world nr.46: Sloterdijk und der Sozialneid von oben
Gremliza über die Thesen Thilo Sarrazins in konkret 11/09: Der real existierende Asozialismus
Cumbawamba: Enough is enough – Open your eyes, time to wake up!
Kommt zur Demo am 2. November, 19h, Kottbusser Tor!
